So far so close

Eigenproduktion ohne finanzielle Unterstützung

Konzept: Johanna Richter
Tanz: Volker Michl, Johanna Richter and Jannis Spengler
Bühne: Björn Wallbaum

Premiere: 19.9.2008 Schwere Reiter

Gastspiele: Schauburg München , Tirschenreuth

Spielte insgesamt 10 Mal

Über das Stück:

So far so close -„in der Nähe so fern” ist die Beobachtung einer auf Abstand kalkulierten Begegnung auf engem Raum. Obwohl die äußeren Umstände zwangsläufig zu körperlicher Nähe führen, ist das Bewusstsein für die eigentliche Begegnung in die Ferne gerückt. Was bleibt sind leere, teils schon mechanische Vorgänge, in denen sich das Miteinander arrangiert.

Schon in den Produktionen „Meeting Point” und „U turn” drehte es sich um die zentrale Frage, nach dem, was eine Gemeinschaft ausmacht und wie viel Konfliktpotential im Zusammentreffen unterschiedlicher Lebensweisen offenbar werden kann. War es in „Meeting Point” das Aufdecken neurotischer Verhaltensmuster, die durch die Not, unfreiwillig in Gesellschaft von Fremden in einen Raum geschlossen zu sein, zutage traten, so war es in „U turn” der Druck einer durch Konventionen eingeengten Gemeinschaft, der den Einzelnen ausbrechen ließ, in der dringenden Sehnsucht, der individuellen Freiheit wieder zu begegnen.

In der Arbeit „so far so close” sollen nun die Eigenheiten und Bedürfnisse der Anderen nicht rätselhaft, sondern hinreichend bekannt sein. Damit ist es nicht das Problem, dem Unbekannten zu begegnen, sondern im Gegenteil, das Vertraute auszuhalten. Der Raum ist ein gemeinsamer Ort, immer aber offen und spiegelt damit das ständige Angebot, die Auseinandersetzung und Begegnung mit dem anderen zu suchen, oder zu vermeiden.

Für unsere heutige Gesellschaft wird die Frage, wie man einen begrenzten Lebensraum teilen kann, ohne Ignoranz, Rücksichtslosigkeit und Recht des Stärkeren als einzige Lösung anzuerkennen immer dringlicher.
Dieses „Aufeinanderzu”, statt „Nebeneinanderher”, muss sogar langfristig über eine enorme Flexibilität verfügen, so dass ein Miteinanderteilen sogar unter Anpassung an variable äußere Umstände überlebensfähig ist.
Da unser Lebensraum im Kleinen, wie im globalen Sinne, eine sich ständig verändernde Größe ist, müssen Gemeinschaften beweglich werden. Das bedeutet Kooperation, Offenheit und Wachheit gegenüber eingeübter Muster und Vorgaben!


Die Untersuchung dieser gemeinschaftlichen Begegnung, hat in der Arbeit an „so far so close” eine zentrale Bedeutung haben. Es geht um die Bedeutung von Verhaltensweisen und Ritualen, die den Kontakt zum Anderen vermeintlich überbrücken. In Wahrheit aber sind sie aber nur eine scheinbare Begegnung, weil das Interesse für den Anderen geringer ist, als das eigene Bedürfnis, nach dem, was man selber gerade will. Gesellschaft wird zu einem Arrangement auf kleinst möglichem, gemeinsamen Nenner.
Soll in einer Begegnung wirklich Leben entstehen, braucht es Bewegung statt Stagnation, braucht es Annäherung statt allmählicher Entfremdung.